Jodversorgung

Allgemeines

Obwohl die Zufuhr des Spurenelements Jod in Deutschland in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegen ist, werden die von D-A-CH empfohlenen 200 µg pro Tag nur von etwa 5-10% der Bevölkerung erreicht. Die durchschnittliche Zufuhr beträgt in Deutschland etwa 120 µg, bei Senioren sogar nur etwa 105 µg/Tag.

Die regionalen Unterschiede in der Jodversorgung bestehen zwar immer noch, allerdings ist das Nord-Süd- bzw. das West-Ost-Gefälle nicht mehr so ausgeprägt wie früher. Dies ist u.a. auf die bundesweite Versorgung mit Seefisch und die Verwendung von Jodsalz zurückzuführen.

Untersuchungen an Wehrpflichtigen machen die Unterversorgung in Deutschland deutlich. 50% der Untersuchten wiesen einen Jodmangel Grad I, 33% einen Jodmangel Grad II auf. Nur 12% der Wehrpflichtigen sind ausreichend mit Jod versorgt.

 

Schwangere und Stillende
Schwangere und Stillende haben einen besonders hohen Jodbedarf (ca. 260 µg/Tag). Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge sollte die wünschenswerte Harnjodkonzentration als Maßstab für Jodversorgung mindestens 10 µg/dl betragen. Dieser Wert beträgt jedoch selbst bei Frauen, die während der Schwangerschaft Jodtabletten einnehmen, nur 8,5 µg/dl (Frauen ohne Tabletten sogar nur 5,9 µg/dl). Harnjodkonzentrationen zwischen 5 und 10 µg/dl entsprechen einem Jodmangel Grad I.

Die Jodkonzentration im Harn von gestillten Säuglingen beträgt etwa 5,6 µg/dl, bei oraler Jodzufuhr der Mutter immerhin 8,6 µg/dl. Hierbei wird besonders deutlich, dass der Jodgehalt der Muttermilch die Jodversorgung der Mutter widerspiegelt. Bei Säuglingen ist diese Unterversorgung besonders problematisch, da sie im Gegensatz zu Erwachsenen keine Schilddrüsenhormone speichern können (maximal 3 Tage). Eine Jodprophylaxe der Mutter (und damit des Kindes) muss nach der Geburt weiter geführt werden, um eine Jodzufuhr von 260 µg/Tag zu gewährleisten.

Weitere Informationen über die Ernährung während der Schwangerschaft können Sie auf den Seiten des Instituts für Ernährungsinformation nachlesen.

 

Prophylaxe
Zur Zeit werden etwa 20 µg durch Jodsalz zugeführt. Der größte Teil stammt aus der privaten Verwendung dieses angereicherten Salzes, da die Verwendung in der Industrie nur in unzureichendem Maße stattfindet. Eine umfassende Verwendung von Jodsalz seitens der Industrie, Gastronomie und alle Bereichen der Außerhaus-Verpflegung (Fast Food-Ketten, Imbiss usw.) könnte dazu beitragen, die Jodversorgung entscheidend zu verbessern. Weiterhin wird eine intensive Aufklärung v.a. bei Schwangeren und Stillenden notwendig sein.

 

Risiko einer zu hohen Jodzufuhr?
In Japan werden täglich bis zu 1000 µg Jodid mit der Nahrung zugeführt. Dort sind Jodmangelkrankheiten besonders selten. Negative Auswirkungen sind nicht bekannt, da überschüssiges Jodid über die Nieren ausgeschieden wird. Erst 1000fach höhere Mengen als die in Deutschland empfohlenen 200 mg Jodid führten bei 10% zu einer Schilddrüsenunterfunktion.

Menschen, bei denen bestimmte Autoantikörper im Blut nachweisbar sind (Hashimoto-Thyreoiditis) können – müssen aber nicht – bei einer Zufuhr von weit über 200 µg schneller eine Hypothyreose bekommen. Aber auch hier stellen die landestypische Ernährung sowie die Verwendung von Jodsalz kein Problem dar!

In jedem Fall ist eine ausreichende Jodzufuhr zu empfehlen. Dafür ist u.a. die Jodierung aller industriell hergestellten Lebensmitteln erforderlich. Indikationen einer jodarmen Ernährung (<200 µg) gibt es nicht!


Geändert am: 09.01.2006