Hypothyreose

Definition
Unter einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) versteht man eine unzureichende Produktion, Freisetzung oder Wirkung (selten) der Schilddrüsenhormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4).

Diese beiden Hormone sind verantwortlich für die körperliche und geistige Entwicklung des heranwachsenden Organismus und regulieren durch die Stimulation von Enzymen des Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsels den Energieumsatz des Körpers.

Einteilung
Nach der Sektion Schilddrüse der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie können drei Formen der Schilddrüsenunterfunktion unterschieden werden.
  1. Neugeborenen – Hypothyreose
  2. (postnatal) erworbene Hypothyreose
  3. Periphere Hormonresistenz

Häufigkeit, Vorkommen
Etwa jedes 4000. Kind kommt mit einer angeborenen Schilddrüsenunterfunktion zur Welt. Damit ist die Hypothyreose die häufigste angeborene Stoffwechselerkrankung, wobei Mädchen ein doppelt so hohes Risiko aufweisen wie Jungen.

Auch bei der erworbenen Hypothyreose sind Frauen (ca. 1,9%) häufiger betroffen als Männer (ca. 0,1%). An der sogenannten subklinischen Schilddrüsenunterfunktion leiden etwa 7,5% aller Frauen bzw. 2,5% aller Männer in Deutschland, von welchen zwischen 5 und 10% innerhalb eines Jahres eine manifeste Schilddrüsenunterfunktion entwickeln.

 
Ursachen
1. Neugeborenen – Hypothyreose

Bei den angeborenen Formen stehen Missbildungen und Fehllagen der Schilddrüse im Vordergrund. Ferner können Störungen der Jodverwertung bzw. der Hormonsynthese vorliegen.

Im Mutterleib können sich ebenfalls Schilddrüsenunterfunktionen heranbilden. Dies kann bei Jodmangel bzw. extremem Jodüberschuss der Schwangeren oder zu hoch dosierter Thyreostatika-Behandlung (bei Hyperthyreose) der Fall sein.

2. (postnatal) erworbene Hypothyreose

Die erworbene Schilddrüsenunterfunktion wird meist durch den Untergang von funktionsfähigem Schilddrüsengewebe ausgelöst, wie z.B. bei chronischen Entzündungen der Schilddrüse als Folge einer Autoimmunreaktion (Hashimoto-Thyreoiditis). Diese kann derart symptomarm bzw. –frei verlaufen, dass der Betroffene nichts von seiner Erkrankung bemerkt.

Weitere Ursachen können Operationen mit großflächiger Entfernung von Schilddrüsengewebe (bei Strumen oder Malignomen), eine Strahlenbehandlung sowie eine vorausgegangene Radiojodbehandlung (bei Hyperthyreose) sein.

Medikamente können ebenfalls eine Hypothyreose hervorrufen. Dazu zählen Wirkstoffe, die die Jodaufnahme in die Schilddrüse hemmen (z.B. Perchlorat), die Schilddrüsenhormon-Synthese hemmen (z.B. Thiamazol, Carbimazol, Propylthiouracil) oder Freisetzung von Schilddrüsenhormonen hemmen (Lithium). Selten kommt auch eine exzessive Jodzufuhr, vor allem nach der Einnahme von jodhaltigen Kontrastmitteln, in Betracht.

Von einer sekundären Hypothyreose spricht man, wenn die Schilddrüsenfunktion in Ordnung ist, der Defekt jedoch vom Hypothalamus bzw. der Hypophyse ausgeht (meist Tumoren). Diese Form ist gekennzeichnet durch einen Mangel des Hormons, welches die Bildung von Schilddrüsenhormonen fördert (TSH).

3. Periphere Hormonresistenz

Bei einer peripheren Hormonresistenz liegen zwar genügend Schilddrüsenhormone vor, die Wirkung an den Zielzellen ist jedoch aufgrund von Defekten an den Rezeptoren herabgesetzt.

Symptome
Das Krankheitsbild der Schilddrüsenunterfunktion ist geprägt durch die verminderte Konzentration der beiden Schilddrüsenhormone Thyroxin und Trijodthyronin. Die Symptome lassen sich wie folgt gliedern.

1. Allgemeine Symptome

  • Kälteempfindlichkeit
  • Verstopfung
  • chronische Müdigkeit
  • Gewichtszunahme (durch verminderten Grundumsatz)
  • langsame Sprechweise und Motorik
  • kalte trockene Haut
  • Wasseransammlungen an den Augenlidern
  • brüchige Nägel/Haare

2. Zusätzlich bei Neugeborenen

  • übergroße Zunge
  • erniedrigter Blutdruck
  • kalte Extremitäten
  • Trinkschwäche
  • verzögerte physische und intellektuelle Entwicklung

3. Zusätzlich bei Kindern und Jugendlichen

  • Störungen der Skelett- und Zahnentwicklung
  • plumpe Gestalt, da das Längenwuchs im Gegensatz zum Knochendickenwachstum stark eingeschränkt ist
  • verzögerte pubertäre Entwicklung
  • Schwerhörigkeit/Taubheit
  • verminderte Intelligenz

4. Zusätzlich bei Erwachsenen

  • Myxödeme (Einlagerung von zäher Flüssigkeit), teigige Hände
  • Neigung zu Wassereinlagerungen
  • Haarausfall
  • Verlangsamung der Reflexe (v.a. Achillessehnenreflex)
  • Muskelschwäche
  • Menstruationsstörungen
  • Libido- und Potenzverlust

5. Zusätzlich bei hohem Lebensalter

  • subjektive Allgemeinbeschwerden, die nicht eindeutig der Hypothyreose zugeordnet werden
  • Depressionen

Diagnostik
Neben der Anamnese und der körperlichen Untersuchung ist die Bestimmung der TSH-Konzentration im Blut von entscheidender Bedeutung. Zum Nachweis einer Hypothyreose werden Thyroxin bzw. freies Thyroxin ( T4/fT4) herangezogen, da Trijodthyronin und freies Trijodthyronin (T3/fT3) auch bei längerer Unterfunktion im Normalbereich liegen.

Eine Erhöhung des TSH und eine Erniedrigung der peripheren Schilddrüsenhormone deuten auf eine manifeste Hypothyreose hin, eine Erhöhung des TSH und im Normalbereich liegende Schilddrüsenhormone sind Anzeichen einer latenten bzw. subklinischen Hypothyreose.

Eine sekundäre Hyperthyreose liegt vor, wenn die Schilddrüsenunterfunktion auf eine Störung der Regulationsmechanismen des Hypothalamus bzw. der Hirnanhangdrüse zurückzuführen ist. Um dies zu diagnostizieren, führt man den TRH-Test durch.

Bei der anschließenden Sonographie wird die Schilddrüse auf Knoten und Echogenität untersucht, eine Szintigraphie kommt nur in Ausnahmefällen zum Einsatz.

Therapie
Die Therapie der Schilddrüsenunterfunktion besteht darin, die fehlenden Schilddrüsenhormone von außen zuzuführen. Hierfür können die beiden synthetisch hergestellten Hormone L-Thyroxin und L-Trijodthyronin einzeln oder als Kombination verabreicht werden. Heute wird jedoch meist eine Monotherapie mit L-Thyroxin durchgeführt.

Eine einmalige tägliche Zufuhr der Tabletten reicht in der Regel aus, da L-Thyroxin reine relativ lange Halbwertszeit (ca. 8 Tage) aufweist. Die Umwandlung in das eigentlich wirksame L-Trijodthyronin findet in adäquater Weise statt. L-Trijodthyronin wird dann eingesetzt, wenn für die Therapie eine kürzere Halbwertszeit geeigneter ist.

Der Tagesbedarf eines Erwachsenen an L-Thyroxin beträgt etwa 2 µg pro kg Körpergewicht, was einer täglichen Zufuhr von 100-200 µg pro Tag entspricht. Die Dosis sollte schrittweise erhöht werden. Die individuelle Grenze ist dann erreicht, wenn der TSH-Spiegel wieder im Normbereich liegt. Die Medikamente sollten 30-60 min vor dem Essen eingenommen werden, um eine ausreichende Resorption zu gewährleisten (70-80%).

Eine Unterbrechung der Behandlung kann dazu dienen, zeitlich begrenzte Unterfunktionen oder eine Remission zu erkennen und die Gabe der Hormone einzustellen. 

Eine Überdosierung sollte vermieden werden, da diese u.a. die Entstehung einer Osteoporose fördern sowie eine Schädigung des Reizleitungssystems im Herzen verursachen kann.


Geändert am: 09.01.2006